Wer sich heute zu Gesundheitsthemen informiert, landet oft zuerst bei Social Media. Kurze Videos, persönliche Erfahrungsberichte und stark vereinfachte Botschaften erreichen dort innerhalb weniger Stunden Millionen Menschen - auch beim Thema UV-Schutz.
Dabei verbreiten sich nicht nur hilfreiche Informationen, sondern auch zahlreiche Mythen und irreführende Narrative:
„Sonnencreme verursacht Hautkrebs“,
„Base Tan schützt die Haut“ oder
„Natürliche Öle statt Sonnencreme“.
Viele dieser Aussagen wirken auf den ersten Blick plausibel - widersprechen jedoch wissenschaftlichen Erkenntnissen oder verkürzen komplexe Zusammenhänge stark.
Gemeinsam mit dem Infoportal Hautkrebs haben wir uns deshalb in einer aktuellen Videoaufzeichnung mit genau dieser Entwicklung beschäftigt:
Warum sind bestimmte Aussagen rund um UV-Schutz in sozialen Medien so erfolgreich? Und worauf sollte man bei Gesundheitsinformationen im Netz achten?
Im Gespräch waren Dr. Inga-Marie Hübner und Yvonne de Buhr von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Moderiert wurde das Gespräch von Astrid Doppler, Patientenvertreterin des Infoportal Hautkrebs und Mitgründerin der Patientenorganisation Melanom Info Deutschland (MID), der wir herzlich für die angenehme Zusammenarbeit und die engagierte Moderation danken möchten.
Viele virale Narrative rund um UV-Schutz haben eines gemeinsam: Sie arbeiten mit Emotionen, einfachen Erklärungen und starken Bildern.
Besonders erfolgreich sind Inhalte häufig dann, wenn sie:
Soziale Medien bevorzugen genau solche Inhalte. Algorithmen verstärken häufig das, was emotional anschlussfähig ist und starke Reaktionen hervorruft - unabhängig davon, wie wissenschaftlich fundiert Aussagen tatsächlich sind.
Hinzu kommt: Viele gesundheitliche Risiken durch UV-Strahlung sind zunächst unsichtbar. DNA-Schäden entstehen bereits lange bevor ein Sonnenbrand sichtbar wird. Gerade diese Unsichtbarkeit macht UV-Prävention kommunikativ besonders herausfordernd.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen deshalb sowohl wissenschaftliche Grundlagen als auch die Frage, wie Gesundheitskommunikation Menschen heute überhaupt noch erreichen kann.
Besprochen wurden unter anderem Narrative wie:
Dabei ging es nicht nur um die wissenschaftliche Einordnung dieser Aussagen, sondern auch darum, warum sie online so überzeugend wirken.
Denn Gesundheitskommunikation besteht heute längst nicht mehr nur daraus, Fakten bereitzustellen. Informationen müssen verständlich, alltagsnah und glaubwürdig vermittelt werden — besonders in digitalen Räumen, die stark von Emotionen und visuellen Eindrücken geprägt sind.
Gerade in der Prävention zeigt sich: Menschen brauchen nicht nur Informationen, sondern auch Orientierung.
Gute Gesundheitskommunikation sollte deshalb:
Ziel ist nicht Verunsicherung, sondern informierte Entscheidungen im Alltag. Denn Social Media kann Gesundheitswissen sichtbarer machen - gleichzeitig wird die Fähigkeit, Informationen kritisch einzuordnen, immer wichtiger.
Die vollständige Aufzeichnung des Gesprächs „UV-Schutz in sozialen Medien – zwischen Trends, Mythen und Fakten“ ist jetzt auf dem YouTube-Kanal des Infoportal Hautkrebs verfügbar.
Yvonne de Buhr ist im Vorstand der ADP und verantwortlich für die Themen Solarium, Hautkrebs-Screening und Gesundheitskommunikation.
E-Mail: debuhr@adpev.de